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Dilek Topkara vor ihrer Konditorei Dilekerei in Berlin.

Dilekerei – Torten ohne “chichi”

Kirsche für Kirsche versinkt in der Vanille-Mascarpone-Creme. Bis der Schokoboden knallrot bedeckt ist. Wer Dilek in ihrer Konditorei beobachtet, merkt, dass es hier um mehr geht, als nur einen Auftrag zu erfüllen.

Das Zusammenstellen der dreistöckigen Hochzeitstorte gleicht einer künstlerischen Choreographie. Und doch kommt wenig “chichi” zum Einsatz, wie es die Ingenieurin für Lebensmitteltechnologie ausdrückt. Sie legt Wert auf natürliche Zutaten, wie zum Beispiel frische Früchte aus dem Garten ihrer Eltern.

Mit bloßen Händen und ein paar Zutaten etwas Schönes herzustellen und am Ende ein konkretes Produkt vor sich zu haben, “das finde ich faszinierend”, sagt Dilek. Sie legt vorsichtig den nächsten Schokoboden auf die Torte. Die Hochzeitstorte ist für das Wochenende bestellt und soll mit Lavendel und Olivenbaumblättern verziert werden. Ein Kunstwerk, das liebevoll, Boden für Boden, Schicht für Schicht, entsteht.

Der schwierigste Teil am Tortenbacken ist aber nicht das Backen oder Dekorieren, findet Dilek. Es bleibt vielmehr bis zum Schluss spannend. Denn die Lieferung der edlen Leckereien muss genau vorbereitet werden, um die Torten sicher zum Kunden zu bringen.

Die Aufträge für Hochzeitstorten, die Dilek und ihre Mitarbeiterin Franzi erhalten, werden normalerweise in Skizzen mit den detaillierten Wünschen der Kunden dokumentiert.

Zur Tagesproduktion kommen kleinere Torten, Tartes und Kuchen, die am Wochenende im Café Dilekerei in der Eulerstraße, nur wenige Schritte von der Bäckerei entfernt, angeboten werden.

Bis sich das Geschäft so etablierte, wie es heute ist, war jedoch harte Arbeit nötig. 

Nachdem sie ihr Studium beendet und mehrere Jahre in England gearbeitet hatte – unter anderem in London und Essex –, entschied sich Dilek, wieder nach Berlin zu ziehen. “Ich dachte, ich muss zurückkommen und meiner Heimatstadt etwas zurückgeben”, sagt Dilek. Denn auch wenn Berlin eine sehr multikulturelle Stadt ist, steht es für sie immer noch hinter London und New York. Die Stadt ist wesentlich langsamer.

So war 2013 das Café Dilekerei – ein Wortspiel aus dem Namen Dilek, Leckerei und Bäckerei – geboren. Ein Platz für Alt und Jung, egal aus welchen Teilen der Welt. Das Klientel ist bunt gemischt – es kommen sowohl Leute aus der türkischen Community, internationale Gäste, als auch Deutsche oder Nachbarn zusammen, die die Atmosphäre des Cafés toll fänden. Auch ältere Gäste fühlten sich in dem gemütlichen Café mit den alten Biedermeier-Möbeln wohl. 

Das Geschäft startete mit kleinen Schritten und finanziellen Herausforderungen. Dilek mietete mit einer Freundin Räume und kaufte bescheidenes Equipment ein. Mit jeder Torte, die sie verkaufte, investierte sie ein Stückchen mehr in Dilekerei.

Die Dilekerei ist organisch und ohne Kredite entstanden

“Es ist alles organisch entstanden, darauf sind wir mega stolz”, sagt die gebürtige Berlinerin. So soll es auch bleiben. Qualität steht für Dilek über Quantität.  In ihrem Geschäft will sie außerdem ein Arbeitsklima schaffen, in dem sich Frauen wohlfühlen. Mitarbeiterin Franzi ist zum Beispiel nach ihrer Babypause wieder als Bäckerin eingestiegen, Ihre Arbeitszeiten kann sie flexibel einteilen. Dilek ist nicht nur wichtig, dass ein Arbeitsplatz sicher ist. Er soll auch so gestaltet sein, dass man sich entfalten kann. “Wir sind ein modernes Unternehmen, das moderne Probleme berücksichtigt. Gerade auch als Frau.”

Als sogenannter Host-Entrepreneur, ein Erasmus-Programm für junge Entrepreneure, unterstützt Dilek speziell weibliche Kandidatinnen. Eine junge Unternehmerin aus Istanbul verbringt so demnächst einige Monate in der Konditorei, um beruflich Erfahrungen zu sammeln. Dilek, die selbst vor einigen Jahren in England Teilnehmerin des Programms war, möchte auf diese Weise das Programm unterstützen. Als Alumni referierte sie als Female Entrepreneur außerdem auf Events in Straßburg, Brüssel und Washington. 

Selbstständigkeit gibt Erfahrung, die man sonst nur schwer lernen kann

“Ich möchte Leute dazu ermutigen, dass sie das machen, was sie tun möchten”, sagt Dilek. Wenn man ein Konzept hat, daran glaubt und Fähigkeiten mitbringt, dann gibt es nichts, wovor man Angst haben muss, findet die Berlinerin. Man kann nur lernen und enorm viel Wissen und Bereicherung gewinnen. Selbstständigkeit gibt viel Erfahrung, die man sonst nur schwer erlernen kann, findet sie. Andere Leute, die an die eigene Idee glauben, seien aber ebenfalls wichtig. “Ich hatte viele Mentoren und Menschen, die an mich geglaubt haben. Das Projekt ist nur auf die Beine gekommen, weil sie mich unterstützt haben.”

Ihre Schwester fotografierte zum Beispiel größtenteils die Motive für ihr Buch “Torten Törtchen Tartes”. Auch bei ihrem Instagram-Channel half sie anfangs. Mittlerweile fotografiert Dilek jedoch selbst und teilt die prachtvollen Kunstwerke mit fast 6.000 Abonnenten.

Für Dilek war es nicht von Anfang an klar, Kartenzahlungen in ihrem Café anzubieten. Für sie gehörte zu einem gemütlich eingerichteten Café eine altmodische Kasse. Doch als sie umstieg, bemerkte sie, wie ihr Alltag unkomplizierter wurde. Kunden kauften schneller mal mehr Kuchen ein oder das Buch zum Verschenken, da sie nicht besorgt waren, ob sie genügend Kleingeld dabei hatten.

Zurück in der Backstube ist die Hochzeitstorte fast fertig. Nach jedem Einstreichen – dem Bestreichen der Außenseite der Böden mit Creme – muss die prachtvolle Torte in den Kühlschrank. 

Am Ende fehlt nur noch die Dekoration – Lavendel, Olivenbaumblätter, Johannisbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Pflaumen. Auch hier ist kein “chichi” notwendig. Das natürliche Farbenspiel ist faszinierend genug.

Dilek besitzt das Café Dilekerei in Berlin-Gesundbrunnen. Das Café ist samstags und sonntags geöffnet und lädt zu zauberhaften Torten, Tartes und Törtchen ein. In Ihrem Geschäft benutzt sie unser Kassensystem POS Pro. Dilekerei ist auch auf Instagram zu finden.

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Julia Maehler